Bratwurst-Stromer aß jeden Tag zwei Bratwürste

Nürnberg – Unter den Stromers, einer der wichtigsten Nürnberger Patrizierfamilien, die tüchtige Bürgermeister, Erfinder und Forscher hervorbrachte, gab es auch ein „schwarzes Schaf“. Der Stadtrichter Hans IV. Stromer (1517-1592) wurde 1554 wegen Geheimnisverrats und unflätiger Reden zu lebenslanger Haft in einem Turm verurteilt. Als Patrizier hatte er einen Wunsch frei und verlangte, auf Kosten der Stadt jeden Tag zwei Bratwürste zu bekommen. Dies hielt er 38 (!) Jahre lang aus, dann stürzte er sich aus dem Turm und starb.

Der unglückliche Hans IV. Stromer gelangte in der Geschichte der alten Freien Reichsstadt Nürnberg als so genannter „Bratwurst-Stromer“ zu trauriger Berühmtheit. Vor seiner Verurteilung war er ein geachteter Bürger seiner Vaterstadt gewesen, der er 1552 im Markgrafenkrieg mehrere Pferde zur Verfügung gestellt hatte.

Nach einer anderen Quelle soll Hans IV. Stromer 1554 einen fremden Edelmann erstochen haben und deswegen zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden sein. Angeblich verbüßte er im Nürnberger Turm Luginsland neben der Kaiserstallung, der 1945 im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, seine Strafe.

Während seiner langen Haft erhielt Hans IV. Stromer zu jeder Mahlzeit am Mittag und Abend eine Bratwurst. Ingesamt soll er angeblich fast 28.000 Bratwürste verzehrt haben.

Die Liebe zu den Nürnberger Schweinsbratwürsten hatte auch Ernst Stromer von Reichenbach (1871-1952), einer der bedeutendsten Dinosaurier-Forscher der Welt, geerbt. Immer wenn der in München arbeitende Wissenschaftler in seine Vaterstadt kam, aß er dort im Lokal „Bratwurstherzle“ Nürnberger Bratwürste. Ernst Stromer von Reichenbach verfasste 1951 die Publikation „Unsere Ahnen in der Reichsstadt Nürnberg 1250-1806“, in der natürlich der „Bratwurst-Stromer“ erwähnt wird.

Eine Nachfahrin der „traurigen Berühmheit“ des „Bratwurst-Stromer“ ist die fränkische Freifrau Rotraut von Stromer-Baumbauer aus Erlangen. Sie setzt sich als Administratorin der Stromerstiftung für den Erhalt von Schloss Grünsberg bei Altdorf im Landkreis Nürnberger Land im bayerischen Regierungsbezirk Mittelfranken ein. Zugunsten von Schloss Grünsberg finden zahlreiche Benefizveranstaltungen statt. www.stromerstiftung.de/s_veran.html

Schloss Grünsberg – auch Burg Grünsberg genannt – steht in einer Seitenschlucht des Schwarzachtales. Das Schloss geht auf eine Burganlage aus dem Mittelalter im 12. Jahrhundert zurück, die vermutlich an der Stelle eines ehemaligen Wehrturms gegen den Ungarneinfall von 985 entstand. Nachdem die Burg im 16. Jahrhundert mehrfach zerstört und wieder aufgebaut wurde, wechselten sich Nürnberger Patrizierfamilien als Besitzer ab.

Die Erweiterung der Burg zu einer Schlossanlage erfolgte im Zeitraum von 1717 bis 1723 unter dem letzten Mitglied der Patrizierfamilie Paumgartner. Hierbei erhielt die Anlage auch ihre bedeutenden Stuckdecken.

Ab 1754 gehörte Schloss Grünsberg der Patrizierfamilie Stromer von Reichenbach, einer der wichtigsten und bedeutendsten Familien von Nürnberg. Ulman Stromer (1329-1407) verfasste das „püchel von meim geslechet und von abentewr“, das als frühestes Werk der Nürnberger Geschichtsschreibung betrachtet wird. Der bereits erwähnte Ernst Stromer von Reichenbach war ein Pionier der Paläontologie, machte sich um die Erforschung fossiler Wirbeltiere verdient und wirkte als einer der bedeutendsten Dinosaurier-Forscher. Der Leitspruch der Familie Stromer von Reichenbach lautet: „dum spiro, spero“ – zu deutsch: „solange ich atme, hoffe ich“.

Im Jahre 2000 führte die Familie Stromer von Reichenbach das Gut und die Burg in eine gemeinnützige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts über, um dieses überregional bedeutende Denkmal für die Nachwelt zu erhalten und so weit wie möglich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

In Nachbarschaft von Schloss Grünsberg befinden sich die Sophienquelle, die größte gefasste barocke Quellanlage nördlich der Alpen, die ebenfalls von der „Stromerschen Kulturgut-, Denkmal- und Naturstiftung“ erhalten werden muss, die Schlucht Teufelskirche in einem Wald, der 2004 in die FFH-Liste der EU als besonders schützenswert aufgenommen wurde und ein Naturlehrpfad. Außerdem gehört zur Gesamtanlage eine barocke Zehntscheune, anschließend an einen Renaissance-Barockgarten mit ursprünglich sieben Terrassen, der heute als Tierfriedhof Anubis betrieben wird.

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Weblink:
www.stromerstiftung.de